Sonntag, 29.2.2004



Ich war ja wirklich furchtbar schlecht gelaunt.
Meine Gastherme war im Arsch. Frische 11° in meiner Wohnung.
Dann noch ein spaßiges Wortgefecht mit meiner Mitbewohnerin, weil ich die Festnetznummer unserer Vermieterin nicht kenne. Außerdem bin ich ja prinzipiell an allem schuld. Ita est.

[jansen]


Und dann rettet mir ein Lampen - Schirm meinen Abend. -Und eine eigenartige Vorband namens Jansen, von der ich in meinem Leben noch nichts gehört habe. Eigentlich wars auch nur die Häflte/ein Viertel/ein Sechstel/... der Band: Markus Maria Jansen an der Gitarre und singend und der Bassist, dessen Namen ich leider leider nicht weiß (Philip Lethen? Der mit den schönen Fotos?). Der Rest kommt aus der Box. Macht aber nix. Wunderbare Musik. Mit leicht wirren Texten. Und mit einem wunderbaren, sich drehenden Sonnenschirm ohne Stoffüberzug, dafür aber mit vielen kleinen Lampen. (Ich wär übrigens sehr glücklich, könnte mir jemand so was basteln. Ich bin schlecht in solchen Dingen. Vor allem stell ich mir folgende Frage: Wie schaffe ich es, dass das Kabel, dass die Lichterkette mit dem nötigen Strom beliefert, sich nicht durch den Drehvorgang des Schirms einrollt wird und sich damit selbst zerstört? Irgendwer eine Ahnung? Hm? Für Lösungsvorschläge wäre ich sehr dankbar.) Leider können ich und mein Begleiter, nennen wir ihn Philip, nie pünktlich zu einem Konzert kommen. Da sind höhere Mächte im Spiel. Irgendwas ist immer. Aus diesem Grund hören wir auch nur einige wenige Lieder der wunderfunkelbaren Band Jansen, bevor die zwei Herren ihren Schirm auf Höchstgeschwindigkeit schalten und von der Bühne gehen. Ich kauf mir eine CD, ich habs ja. (HA!)

Und dann:

[Herr Proper-Sheppard]


Sophia. Die kleine Konzerthalle ist mittlerweile gedroschen voll, die geschätzten 27° stellen einen angenehmen Kontrast zu den Temperaturen in meiner Wohnung dar. Auch Herr Robin Proper-Sheppard gibt sich überrascht darüber, dass so viele Leute auf so wenig Raum Platz haben. Dann die Fragen: Wer von euch kennt Sophia? Ein paar Hände werden in die Höhe gestreckt. Und wer von euch kennt The God Machine? Lautes Gegröhle aus den hinteren Reihen. Proper-Sheppard erklärt, dass er kein Lied von seiner 1994 aufgelösten Band spielen werde, und auch nicht will, dass ihn irgendjemand aus dem Publikum dazu auffordert. The God Machine existiere seit dem Tod seines Freundes und Bassisten der Band, Jimmy Fernandez, nicht mehr. Bevor die Band So Slow spielt, meint Proper-Sheppard noch, dass dies das beste Lied ist, um die Menschen, die Sophia nicht kennen, an die Band heranzuführen. Ich glaub, So slow ist wohl das traurigste Lied das ich kenne. Fast genauso grau geht es auch weiter. Are You Happy Now kam als nächstes. Oder übernächstes. Sowas merk ich mir nie. Jedenfalls find ich es wunderbar.
Hinter mir stehen drei Typen, die die ganze Zeit davon reden, dass The God Machine ja viel mehr gerockt haben. Zu viel Schmalz, höre ich. Auf Oh My Love können sich die Typen hinter mir einigen: Ja, das geht noch. Das rockt wenigstens ein bißchen. Ach Gottchen.
Ich finde es einfach nur fantastisch. Und Herr Proper-Sheppard ist außerordentlich sympathisch. - Und lustig, was man ja, hört man sich die Sophia-Alben so an, gar nicht glauben will. Er scherzt mit dem Publikum (Beispiel: Frei übersetzt natürlich: Hin und wieder muss ich jemanden aus dem Publikum beschimfen, sonst glauben wieder alle, dass es mir zu gut geht.) erzählt von den Liedern die er spielt. Wovon sie handeln. Ein ruhiges Konzert, viele Lieder vom neuen Album, People Are Like Seasons. Ich kann auf meine Ohrenstöpsel verzichten (Anmerkung: bin deshalb auf Konzeten immer etwas paranoid).
Und alles geht viel zu schnell zu Ende.
Das Publikum verlangt nach einer Zugabe, sogar die drei harten Typen hinter mir schaffen es zu klatschen. Die Band erscheint, spielt zwei härtere Lieder, die drei hinter mir wedeln freudig mit ihrem Haupthaar. Die zweite Zugabe fällt sehr ruhig aus: auf der Bühne befindet sich nur Herr Proper-Sheppard mit seiner Gitarre. Death of a Salesman ist das letzte Lied (Oder das vorletzte, wer weiß das schon so genau).
Dann ist das Konzert leider auch schon vorbei. Und Robin Proper-Sheppard stellt sich auch noch brav in den engen Merchandising Stand. Scheint sehr nett zu sein, der Mann.


Und ich bekomme, pünktlich zum Märzbeginn, einen kleineren Migräneanfall.